Erhard-Bräunig-Preis

für bürgerschaftliches Engagement wird erstmalig verliehen

Förderverein zur Erhaltung der Kirche Friedrichshagen e. V. gewinnt 5.000 Euro

„Wir sind eine Stiftung des kleinen Geldes.“ sagte der am 07.08.2015 verstorbene Kuratoriumsvorsitzende, Erhard Bräunig. Dessen Aufgabe wurde von Uwe Gutzmann übernommen. „Wir unterstützen gern ehrenamtliche Initiativen zu Gunsten der hier lebenden Menschen und wollen dauerhaft „Hilfe zur Selbsthilfe“ leisten.“, so der neue Kuratoriumsvorsitzende der Bürgerstiftung anlässlich der Vorstellung des Erhard-Bräunig-Preises. Uwe Gutzmann und Erhard Bräunig hatten vor 10 Jahren die Idee einer regionalen Bürgerstiftung von Beginn an verfolgt.

Mit seinem typischen Spruch "Mensch, da müssen wir etwas machen" rief Erhard Bräunig immer wieder zum aktiven Handeln auf. Sein bürgerschaftliches Engagement für die Menschen im Nordwesten Mecklenburgs war beispielhaft. Ihm zu Ehren lobt die Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG erstmalig den „Erhard-Bräunig-Preis für bürgerschaftliches Engagement“ aus. Der Preis ist für die nächsten 10 Jahre finanziell gesichert.

Am 01.09.2016 startete die Bürgerstiftung der Volks und Raiffeisenbank eG
erstmalig mit der Ausschreibung.

Ausschreibung

Der Erhard-Bräunig-Preis würdigt vorbildliches, bürgerschaftliches Engagement einer Person oder mehrerer Personen, Initiativen oder eines Vereins. Es wird die Vorbildwirkung ausgezeichnet. Unter bürgerschaftlichem Engagement wird das freiwillige, nicht allein auf finanzielle Vorteile gerichtete und das Gemeinwohl fördernde Engagement verstanden. Gesucht werden Menschen, die Ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen und Initiative entwickeln. Schwerpunkt kann das gesellschaftliche, soziale, kulturelle oder sportliche Engagement sein. Demokratie und Toleranz sind für die Preisträger eine Selbstverständlichkeit. Der Preis ist mit 5.000,00 € dotiert.

Nominierung

Die Nominierung erfolgt durch einen Vorschlag. Eine eigenständige Bewerbung ist nicht vorgesehen. Nominiert werden kann eine gemeinnützig anerkannte Initiative (Verein oder Stiftung) oder eine Privatperson, die stellvertretend für eine Initiative steht. Für die Nominierung können eine Einzelaktion und das Gesamtschaffen maßgeblich sein. Ein konkretes Projekt muss nicht nachgewiesen werden. Durch das Preisgeld werden die ausgezeichneten Personen, Initiativen oder Vereine bei der Gestaltung Ihrer Arbeit unterstützt.

Bis zum 15.10.2016 konnten Vorbilder im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements nominiert werden. „Niemand konnte sich selbst bewerben – man muss nominiert werden und die meisten der Nominierten wussten gar nichts von Ihrer Benennung.“, so Dieter Heidenreich, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes.

Unter 44 Vorschlägen, manche sogar mehrmals, hatte die Jury die Qual der Wahl – denn preiswürdig waren die Nominierten alle. Am 03.11.2016 tagte die Jury bestehend aus folgenden Personen / Institutionen:

  • Landkreis Nordwestmecklenburg (Kerstin Weiss, Landrätin)
  • Landkreis Rostock (Sebastian Constien, Landrat)
  • Familie Bräunig (Susanne Bräunig, Vertreterin der Familie)
  • Ostsee-Zeitung, Rostock (Andreas Ebel, Chefredakteur)
  • Schweriner Volkszeitung (Michael Seidel, Chefredakteur)
  • Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG (Uwe Gutzmann,
    Kuratoriumsvorsitzender)
  • Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG (Dieter Heidenreich,
    Vorsitzender Stiftungsvorstand)

Künstlerische Preisgestaltung

Für die Preisgestaltung an sich wandte sich die Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG aufgrund des ehrenamtlichen Engagements Erhard Bräunigs als Bürgermeister der Gemeinde Plüschow an das Mecklenburgische Künstlerhaus.

Der Plüschower Künstler Udo Rathke war von der Idee sehr angetan. „Es ist mir eine Ehre, diesem Preis eine Form zu geben. Mit Hardy haben wir uns gut verstanden. Den Aufbau des Künstlerhauses in Plüschow hat er seit Beginn an begleitet und wirklich Vieles in seiner Zeit bewegt.“ Der Preis soll im Zusammenhang mit bürgerschaftlichem Engagement stehen sowie etwas von dem Charakter der Person Erhard Bräunig zum Ausdruck bringen. „Deshalb habe ich nach Formen gesucht, die Energie, Bewegung und auch Geschwindigkeit assoziieren. Zudem sollte das Preisobjekt eine visuelle Anmutung zur Region haben, die Verwendung modernen Materials wie Acryl und Fotografie lag nahe, denn Erhard Bräunig war ein Mensch, der allen Neuen zugewandt war.“, beschrieb Udo Rathke seinen Entwurf.

„Wer soll mit dem Erhard-Bräunig-Preis geehrt werden? Wem gibt man nun den Vorzug – wen lässt man weg? So ist die Preisvergabe an eine einzige Initiative vor allem eines nicht: Sie ist keine Bewertung des vielfältigen bürgerschaftlichen Engagements in Mecklenburg-Vorpommern. Die Preisvergabe ist nur eine Hervorhebung eines Beispiels unter Vielen.“, konstatiert Uwe Gutzmann.

Zur Preisverleihung 2016 – Laudator ist Björn Engholm

Die Dorfkirche in Friedrichshagen im Landkreis Nordwestmecklenburg steht dort seit dem 14. Jahrhundert. Vieles ist nötig, um dieses Gotteshaus zu erhalten. Die Zeiten haben der Bausubstanz deutlich sichtbar zugesetzt

  • Starke Schiefstellung nach Westen
  • Starke Rissbildung im Mauerwerk
  • Abriss der Stützpfeiler im Westen
  • Frost- und Feuchteschäden im Mauerwerk
  • Zerstörte Zuganker im Turminneren
  • Schäden an der hölzernen Dachkonstruktion
  • Schäden an der Dachdeckung

Der Förderverein zur Erhaltung der Kirche Friedrichshagen e.V. wurde im Frühjahr 2011 gegründet – und er steht allen Interessierten offen, die sich für den Erhalt dieses kulturellen Erbes einsetzen möchten. Eine kirchliche Zugehörigkeit ist dabei nicht erforderlich. Der Verein steht der Evangelischlutherischen Kirchgemeinde Gressow–Friedrichhagen genau so nahe wie der kommunalen Gemeinde Plüschow, zu der das kleine Dorf Friedrichshagen
gehört.

Im Jahr 2013 begann nach der Bestandsaufnahme der Bauschäden zunächst die Sicherung des Kirchturms. Später folgten die Sanierung der Orgel und der Orgelempore.

Schnell war klar, dass zum Erhalt einer Dorfkirche mehr organisiert werden muss, als nur die bauliche Sicherung der Kirche. Auch das Umfeld des Dorfes galt es zu entwickeln.

Ein Konzept entstand: Die Kirche wurde geöffnet und als Radwegekirche ausgewiesen. Das nahe Freizeitheim der Gemeinde wurde als Unterkunft, damit Radtouristen auch ein Dach über dem Kopf finden können. Eine Rastmöglichkeit wurde geschaffen und der Garten für Freizeitangebote genutzt.

Auch das Kirchenumfeld wurde in gemeinsamer Arbeit von Kirchengemeinde und Förderverein und der Unterstützung zweier örtlicher Landwirte neu gestaltet. Da wurde planiert, gereinigt und Rasen neu angesät.

Der Förderverein packt an und hat Erfolg, weil engagierte Menschen aus verschiedenen Interessen heraus sich gemeinsam für ein Ziel einsetzen.

Am Anfang stand nur der Erhalt der in seiner Bausubstanz gefährdeten Dorfkirche. Inzwischen nimmt das „Wir-Gefühl“ in der gesamten Gemeinde einen bedeutenden Platz ein.

Die Jury meint

Ja: Dorfkirchen gibt es viele. Und nicht selten meinen wir, dass es fast zu viele Dorfkirchen gibt. Zu dieser Meinung kommen wir immer dann, wenn eines dieser betagten Bauwerke in Not gerät und sich die Frage stellt: Wer rettet unsere Kirche? Im Kern stellt sich aber eine andere, viel weitergehende Frage: Wie groß wäre der Verlust, wenn wir ohne Dorfkirchen leben müssen?

Dorfkirchen sind mehr, als nur das Zentrum einer christlichen Gemeinde. Dorfkirchen sind Dorfmittelpunkt, sind lebendige Geschichte, sind Heimat. Wenn eine Dorfkirche untergeht, dann stirbt auch ein ganzes Dorf, vielleicht eine ganze Region.

Doch es geht auch anders: An einer Dorfkirche kann ein ganzes Dorf wachsen, vielleicht sogar eine ganze Region. Doch es ist wie immer im Leben: Einer muss den Anfang machen – einer muss die Initiative ergreifen. So ein Beispiel gibt uns der Förderverein zur Erhaltung der Kirche Friedrichshagen e. V.

Es ist übrigens tatsächlich ein Zufall, dass Erhard Bräunig von 2009 bis zu seinem Tod der ehrenamtliche Bürgermeister der Gemeinde Plüschow war. Doch das war nicht ausschlaggebend für die Zuerkennung des Preises. Vielmehr erscheint der Jury des Erhard-Bräunig-Preises der Förderverein zur Erhaltung der Kirche Friedrichshagen e. V. vor allem deshalb preiswürdig, weil dieser Verein im Sinne der Ausschreibung ein Beispiel für bürgerschaftliches Engagement gibt. Es wird die Vorbildwirkung ausgezeichnet.

Unter bürgerschaftlichen Engagement wird das freiwillige, nicht allein auf finanzielle Vorteile gerichtete, das Gemeinwohl fördernde Engagement von Bürgern zur Erreichung gemeinsamer Ziele verstanden. Gemeint ist, seine Geschicke selbst in die Hand zu nehmen und Initiative zu entwickeln.

Der Erhard-Bräunig-Preis für bürgerschaftliches Engagement im Jahr 2016 geht an Joachim Schünemann und Hans-Heinrich Dreves für den Förderverein zur Erhaltung der Kirche Friedrichshagen e. V.

Kontakt / Informationen

Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG
Mecklenburger Straße 12- 16 , 23966 Wismar

Astrid Neith / Sven Schiffner aus dem Projektteam geben gern Auskunft:
Telefon-Nr. (0 38 41) 4 40 - 9405

E-Mail: buergerstiftung@vrbankmecklenburg.de

Mehr Informationen erhalten Sie online: www.vrbankmecklenburg.de/eb-preis

Facts

Ursprünglich startete die Bürgerstiftung mit 100.000 Euro Stiftungskapital. Seit ihrer Gründung (2005) unterstützten etwa 1.000 Bürger und Unternehmen aus den Regionen Wismar, Güstrow, Grevesmühlen/Gadebusch, Lübz, Sternberg und Doberan durch Spenden und Zustiftungen die Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG. Prominente Mitglieder der Stifterversammlung sind u. a. der gegenwärtige Bundespräsident, Joachim Gauck sowie der Ministerpräsident Schleswig-Holstein a. D., Björn Engholm. Mittlerweile arbeitet in der Stiftung ein Kapitalstock von 609.000 Euro.

Seit ihrer Gründung 2005 förderte und unterstützte die Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG 190 lokale Vorhaben mit insgesamt 136.532 € in der Region. Unter den zahlreichen Anträgen haben sich einige Vereine mehrfach, erfolgreich beworben.

Informationen sind über das Internet unter www.vrbankmecklenburg.de/buergerstiftung erhältlich.