Erhard-Bräunig-Preis für bürgerschaftliches Engagement wird erneut verliehen

Netzwerk "Bad Doberan hilft" gewinnt 5.000 Euro

„Wir sind eine Stiftung des kleinen Geldes.“ sagte der am 07.08.2015 verstorbene Kuratoriumsvorsitzende, Erhard Bräunig. Dessen Aufgabe wurde von Uwe Gutzmann übernommen. „Wir unterstützen gern ehrenamtliche Initiativen zu Gunsten der hier lebenden Menschen und wollen dauerhaft „Hilfe zur Selbsthilfe“ leisten.“, so der Kuratoriumsvorsitzende der Bürgerstiftung anlässlich der Vorstellung des Erhard-Bräunig-Preises. Uwe Gutzmann und Erhard Bräunig hatten vor 10 Jahren die Idee einer regionalen Bürgerstiftung von Beginn an verfolgt.

Mit seinem typischen Spruch "Mensch, da müssen wir etwas machen" rief Erhard Bräunig immer wieder zum aktiven Handeln auf. Sein bürgerschaftliches Engagement für die Menschen im Nordwesten Mecklenburgs war beispielhaft. Ihm zu Ehren lobte die Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG erneut den „Erhard-Bräunig-Preis für bürgerschaftliches Engagement“ aus. Der Preis ist für 10 Jahre finanziell gesichert.

Am 28.08.2017 startete die Bürgerstiftung der Volks und Raiffeisenbank eG mit der Ausschreibung.

Ausschreibung:

Der Erhard-Bräunig-Preis würdigt vorbildliches, bürgerschaftliches Engagement einer Person oder mehrerer Personen, Initiativen oder eines Vereins. Es wird die Vorbildwirkung ausgezeichnet. Unter bürgerschaftlichem Engagement wird das freiwillige, nicht allein auf finanzielle Vorteile gerichtete und das Gemeinwohl fördernde Engagement verstanden. Gesucht werden Menschen, die Ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen und Initiative entwickeln. Schwerpunkt kann das gesellschaftliche, soziale, kulturelle oder sportliche Engagement sein. Demokratie und Toleranz sind für die Preisträger eine Selbstverständlichkeit. Der Preis ist mit 5.000,00 € dotiert.

Nominierung:

Die Nominierung erfolgt durch einen Vorschlag. Eine eigenständige Bewerbung ist nicht vorgesehen. Nominiert werden kann eine gemeinnützig anerkannte Initiative (Verein oder Stiftung) oder eine Privatperson, die stellvertretend für eine Initiative steht. Für die Nominierung können eine Einzelaktion und das Gesamtschaffen maßgeblich sein. Ein konkretes Projekt muss nicht nachgewiesen werden. Durch das Preisgeld werden die ausgezeichneten Personen, Initiativen oder Vereine bei der Gestaltung Ihrer Arbeit unterstützt.

Bis zum 13.10.2017 konnten Vorbilder im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements nominiert werden. „Niemand konnte sich selbst bewerben – man muss nominiert werden und die meisten der Nominierten wussten gar nichts von Ihrer Benennung.“, so Dieter Heidenreich, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes.

Unter 29 Vorschlägen* hatte die Jury die Qual der Wahl – denn preiswürdig waren die Nominierten alle. Am 01.11.2017 tagte die Jury bestehend aus folgenden Personen / Institutionen:

  • Landkreis Nordwestmecklenburg (Kerstin Weiss, Landrätin)
  • Landkreis Rostock (Sebastian Constien, Landrat)
  • Familie Bräunig (Susanne Bräunig, Vertreterin der Familie)
  • Ostsee-Zeitung, Rostock (Andreas Ebel, Chefredakteur)
  • Schweriner Volkszeitung (Michael Seidel, Chefredakteur), nicht anwesend
  • Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG (Uwe Gutzmann, Kuratoriumsvorsitzender)
  • Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG (Dieter Heidenreich,
    Vorsitzender Stiftungsvorstand)

Künstlerische Preisgestaltung:

Für die Preisgestaltung an sich wandte sich 2016 die Bürgerstiftung der Volksund Raiffeisenbank eG aufgrund des ehrenamtlichen Engagements Erhard Bräunigs als Bürgermeister der Gemeinde Plüschow an das Mecklenburgische Künstlerhaus.

Der Plüschower Künstler Udo Rathke war von der Idee sehr angetan. „Es ist mir eine Ehre, diesem Preis eine Form zu geben. Mit Hardy haben wir uns gut verstanden. Den Aufbau des Künstlerhauses in Plüschow hat er seit Beginn an begleitet und wirklich Vieles in seiner Zeit bewegt.“ Der Preis soll im Zusammenhang mit bürgerschaftlichem Engagement stehen sowie etwas von dem Charakter der Person Erhard Bräunig zum Ausdruck bringen. „Deshalb habe ich nach Formen gesucht, die Energie, Bewegung und auch Geschwindigkeit assoziieren. Zudem sollte das Preisobjekt eine visuelle Anmutung zur Region haben, die Verwendung modernen Materials wie Acryl und Fotografie lag nahe, denn Erhard Bräunig war ein Mensch, der allen Neuen zugewandt war.“, beschrieb Udo Rathke seinen Entwurf.

„Wer soll mit dem Erhard-Bräunig-Preis geehrt werden? Wem gibt man nun den Vorzug – wen lässt man weg? So ist die Preisvergabe an eine einzige Initiative vor allem eines nicht: Sie ist keine Bewertung des vielfältigen bürgerschaftlichen Engagements in Mecklenburg-Vorpommern. Die Preisvergabe ist nur eine Hervorhebung eines Beispiels unter Vielen.“, konstatiert Uwe Gutzmann.

Zur Nominierung des diesjährigen Preisträgers:

Regionalbereich Bad Doberan
Nominierte Person / Verein / Initiative Netzwerk „Bad Doberan hilft“
Klosterstraße 1b, 18209 Bad Doberan
0177/4094824
info@dbr-hilft.de
Wer hat nominiert? Stadt Bad Doberan
Der Bürgermeister Thorsten Semrau
18209 Bad Doberan
Thorsten.semrau@stadt-dbr.de
Was sagt der Absender, warum ist die Person/ Initiative preiswürdig? Der Zusammenhalt in der Gesellschaft schwindet. Unterschiedliche Lebenswelten haben kaum noch Berührungspunkte. Es gibt immer weniger gemeinsam erlebte Erfahrungen. Gerade im ländlichen Raum wird das Fremde als besonders fremd wahrgenommen. Das Netzwerk engagiert sich ehrenamtlich für die Integration von Flüchtlingen und schafft Begegnungen im Alltäglichen (Sport, Kochen, Behördengänge, Gärtnern, Spieleabende). Der Fokus des Netzwerkes hat sich seit der Gründung 2015 verändert. Stand am Anfang die Soforthilfe für Geflüchtete auf der Agenda, so ist es nun die Hilfe für alle Einwohner der Stadt Bad Doberan. Der Förderverein Treffpunkt Suppenküche Bad Doberan eV arbeitet mit dem Netzwerk zusammen und sorgt auf diese Weise für eine professionelle Infrastruktur.

Die Preisverleihung des Erhard-Bräunig-Preises für gesellschaftliches Engagement 2017 nimmt der Laudator Werner Kuhn, Mitglied des Europäischen Parlaments sowie Mitglied des Landesvorstandes der CDU Mecklenburg-Vorpommern, vor.

Die Jury meint:

Wir leben in einer Welt der Veränderungen. Allzu oft prallen unterschiedliche Lebenswelten und unterschiedliche Geschwindigkeiten aufeinander. Oft scheint es, als gäbe es immer weniger gemeinsame Erfahrungen. Das wird im ländlichen Bereich vielleicht stärker wahr genommen als im Urbanen. In den großen Städten mögen die Kontraste zwar stärker sein, in den dünn besiedelten Räumen unseres Landes fallen Veränderungen jedoch schneller auf. Vielleicht liegt das auch daran, dass es hier weniger Alternativen gibt: Wenn eine Verwaltung verlagert wird, wenn ein Amtsgericht umzieht oder auch wenn kleine Geschäfte schließen, dann können viele Bürger nicht einfach eine Straße weiter gehen. Nein, dann müssen über Jahrzehnte eingeübte Alltäglichkeiten völlig neu gefunden werden - und oft auch neu erfunden werden.

Bad Doberan ist so eine Stadt, die starken Veränderungen unterworfen war und ist. Wie immer in diesen Situationen gibt es zwei Wege, damit umzugehen: Man kann den Kopf in den Sand stecken und abwarten, was passiert. Oder man kann die Ärmel hochkrempeln und sich an die Arbeit machen. In Bad Doberan haben sich engagierte Bürger für den zweiten Weg entschieden:  Als im Herbst 2015 etwa 200 Geflüchtete in die Stadt kamen und in zentralen Einrichtungen untergebracht wurden, stand auf einmal die Frage im Raum: Wie gehen wir mit diesen Menschen um? Welche Hilfe wird gebraucht? Aus diesen beiden Fragen entstand das Netzwerk "Bad Doberan hilft". Am Anfang galt es, die dringendsten Probleme zu lösen: Behördengänge, Wohnen, Gesundheit, Koordinierung von Spenden. Doch bald ging es um mehr: Wie bringt man Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen? Auch auf diese Antwort fanden die Akteure des Netzwerkes "Bad Doberan hilft" eine Antwort - und zwar eine schlichte: Das Netzwerk schuf Begegnungen im Alltäglichen: gemeinsam Volleyball spielen, gemeinsam Kochen, gemeinsam Gärtnern, gemeinsam Spielen. Doch das schaffen nicht mehr einige wenige Akteure, hier bedarf es eines wahren Netzwerkes aus Schulen, Kirchgemeinden, Vereinen und staatlichen Behörden.

Die Probleme des Jahres 2015 sind nicht die Probleme des Jahres 2017. Die Flüchtlingsfrage ist längst aus unseren schnelllebigen Nachrichten verschwunden. Doch täuschen wir uns nicht: Ein Gefühl des "Abgehängt sein", der unterschiedlichen Geschwindigkeiten ist kein Problem, dass nur mit der Aufnahme von Flüchtlingen zu tun hat. Das spürten die Doberaner Netzwerker und verlagerten den Fokus ihrer Arbeit. Sie haben eine Vision für das Jahr 2020 entwickelt: Wie soll Bad Doberan in Zukunft aussehen. In der Vision 2020 heißt es: Bad Doberan soll ein Ort sein, "an dem sich alle Menschen durch Arbeit, Bildung und Freizeit bei religiöser und kultureller Akzeptanz heimisch fühlen und zufrieden sind." Das ist weit mehr, als Flüchtlingshilfe, sondern es ist Hilfe für alle Menschen in Bad Doberan. Es ist bürgerschaftliches Engagement im Sinne von Erhard Bräunig, dessen Ausspruch: "Mensch, da müssen wir was machen" genau die Zielrichtung bürgerschaftlichen Engagements umreißt.

Unter bürgerschaftlichen Engagement wird das freiwillige, nicht allein auf finanzielle Vorteile gerichtete, das Gemeinwohl fördernde Engagement von Bürgern zur Erreichung gemeinsamer Ziele verstanden. Gemeint ist, seine Geschicke selbst in die Hand zu nehmen und Initiative zu entwickeln.

Wegen des vorbildlichen bürgerschaftlichen Engagements erhält das Netzwerk "Bad Doberan hilft" den Erhard-Bräunig-Preis 2017.

Erhard-Bräunig-Preis 2017
Erhard-Bräunig-Preis 2017

Daten:

Bad Doberan hilft - Netzwerk für Flüchtlingshilfe; Klosterstraße 1 b, 18209 Bad Doberan
Mitinitiator: Hannes Roggelin, info@dbr-hilft.de