Erhard-Bräunig-Preis 2017

„Mensch, da müssen wir etwas machen!“

Mit diesen typischen Worten rief Erhard Bräunig (1945-2015) die Bürger in seiner Umgebung immer wieder zum Handeln auf. Sein bürgerschaftliches Engagement für die Menschen im Nordwesten Mecklenburgs war beispielhaft. Er war der erste Kuratoriumsvorsitzende der Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG, Landrat des Landkreises Nordwestmecklenburg sowie ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Plüschow.

Ihm zu Ehren lobt die Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG erstmalig den Erhard-Bräunig-Preis für bürgerschaftliches Engagement aus.

Ausschreibung

Der Erhard-Bräunig-Preis würdigt vorbildliches, bürgerschaftliches Engagement einer Person oder mehrerer Personen, Initiativen oder eines Vereins. Es wird die Vorbildwirkung ausgezeichnet. Unter bürgerschaftlichen Engagement wird das freiwillige, nicht allein auf finanzielle Vorteile gerichtete und das Gemeinwohl fördernde Engagement verstanden.

Gesucht werden Menschen, die Ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen und Initiative
entwickeln. Schwerpunkt kann das gesellschaftliche, soziale, kulturelle oder sportliche Engagement sein. Demokratie und Toleranz sind für die Preisträger eine Selbstverständlichkeit. Der Preis ist mit 5.000 € dotiert.

Nominierung

Die Nominierung erfolgt durch einen Vorschlag. Eine eigenständige Bewerbung ist nicht vorgesehen. Nominiert werden kann eine gemeinnützig anerkannte Initiative (Verein oder Stiftung) oder eine Privatperson, die stellvertretend für eine Initiative steht. Für die Nominierung können eine Einzelaktion und das Gesamtschaffen maßgeblich sein. Ein konkretes Projekt muss nicht nachgewiesen werden. Durch das Preisgeld werden die ausgezeichneten Personen, Initiativen oder Vereine bei der Gestaltung Ihrer Arbeit unterstützt. Die Nominierten werden nach persönlicher Erlaubnis durch die Medienpartner des Erhard-Bräunig-Preises öffentlich vorgestellt.

Zeitraum und Anschrift für Nominierungen

Der Nominierungszeitraum endet am 13.10.2017. Es gilt der Poststempel. Die Nominierungen sind für den Empfänger portofrei an folgende Adresse zu richten:

Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG
Stichwort “Erhard-Bräunig-Preis”
Mecklenburger Straße 12-16
23966 Wismar

Jury

Eine Jury wird die Preisträgerin oder den Preisträger am 01.11.2016 auswählen. Die Jury setzt sich aus folgenden Institutionen zusammen:

  • Landkreis Nordwestmecklenburg (Kerstin Weiss, Landrätin)
  • Landkreis Rostock (Sebastian Constien, Landrat)
  • Familie Bräunig (Susanne Bräunig, Vertreterin der Familie)
  • Ostsee-Zeitung, Rostock (Andreas Ebel, Chefredakteur)
  • Schweriner Volkszeitung (Michael Seidel, Chefredakteur)
  • Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG (Uwe Gutzmann, Kuratoriumsvorsitzender)
  • Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank eG (Dieter Heidenreich, Vorsitzender Stiftungsvorstand)

Die Entscheidung der Jury ist bindend, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Preisträgerin / der Preisträger wird schriftlich benachrichtigt. Zur Preisverleihung wird der Gewinner rechtzeitig vorab eingeladen.

Gewinner und Preisverleihung 2016

Gewinner und Preisverleihung

Der Erhard-Bräunig-Preis für bürgerschaftliches Engagement im Jahr 2016 geht an Joachim Schünemann und Hans-Heinrich Dreves für den Förderverein zur Erhaltung der Kirche Friedrichshagen e. V.

Die Dorfkirche in Friedrichshagen im Landkreis Nordwestmecklenburg steht dort seit dem 14. Jahrhundert. Vieles ist nötig, um dieses Gotteshaus zu erhalten. Die Zeiten haben der Bausubstanz deutlich sichtbar zugesetzt

  • Starke Schiefstellung nach Westen
  • Starke Rissbildung im Mauerwerk
  • Abriss der Stützpfeiler im Westen
  • Frost- und Feuchteschäden im Mauerwerk
  • Zerstörte Zuganker im Turminneren
  • Schäden an der hölzernen Dachkonstruktion
  • Schäden an der Dachdeckung

Der Förderverein zur Erhaltung der Kirche Friedrichshagen e.V. wurde im Frühjahr 2011 gegründet – und er steht allen Interessierten offen, die sich für den Erhalt dieses kulturellen Erbes einsetzen möchten. Eine kirchliche Zugehörigkeit ist dabei nicht erforderlich. Der Verein steht der Evangelischlutherischen Kirchgemeinde Gressow–Friedrichhagen genau so nahe wie der kommunalen Gemeinde Plüschow, zu der das kleine Dorf Friedrichshagen
gehört.

Im Jahr 2013 begann nach der Bestandsaufnahme der Bauschäden zunächst die Sicherung des Kirchturms. Später folgten die Sanierung der Orgel und der Orgelempore.

Schnell war klar, dass zum Erhalt einer Dorfkirche mehr organisiert werden muss, als nur die bauliche Sicherung der Kirche. Auch das Umfeld des Dorfes galt es zu entwickeln.

Ein Konzept entstand: Die Kirche wurde geöffnet und als Radwegekirche ausgewiesen. Das nahe Freizeitheim der Gemeinde wurde als Unterkunft, damit Radtouristen auch ein Dach über dem Kopf finden können. Eine Rastmöglichkeit wurde geschaffen und der Garten für Freizeitangebote genutzt.

Auch das Kirchenumfeld wurde in gemeinsamer Arbeit von Kirchengemeinde und Förderverein und der Unterstützung zweier örtlicher Landwirte neu gestaltet. Da wurde planiert, gereinigt und Rasen neu angesät.

Der Förderverein packt an und hat Erfolg, weil engagierte Menschen aus verschiedenen Interessen heraus sich gemeinsam für ein Ziel einsetzen.

Am Anfang stand nur der Erhalt der in seiner Bausubstanz gefährdeten Dorfkirche. Inzwischen nimmt das „Wir-Gefühl“ in der gesamten Gemeinde einen bedeutenden Platz ein.

Die Jury meint

Ja: Dorfkirchen gibt es viele. Und nicht selten meinen wir, dass es fast zu viele Dorfkirchen gibt. Zu dieser Meinung kommen wir immer dann, wenn eines dieser betagten Bauwerke in Not gerät und sich die Frage stellt: Wer rettet unsere Kirche? Im Kern stellt sich aber eine andere, viel weitergehende Frage: Wie groß wäre der Verlust, wenn wir ohne Dorfkirchen leben müssen?

Dorfkirchen sind mehr, als nur das Zentrum einer christlichen Gemeinde. Dorfkirchen sind Dorfmittelpunkt, sind lebendige Geschichte, sind Heimat. Wenn eine Dorfkirche untergeht, dann stirbt auch ein ganzes Dorf, vielleicht eine ganze Region.

Doch es geht auch anders: An einer Dorfkirche kann ein ganzes Dorf wachsen, vielleicht sogar eine ganze Region. Doch es ist wie immer im Leben: Einer muss den Anfang machen – einer muss die Initiative ergreifen. So ein Beispiel gibt uns der Förderverein zur Erhaltung der Kirche Friedrichshagen e. V.

Es ist übrigens tatsächlich ein Zufall, dass Erhard Bräunig von 2009 bis zu seinem Tod der ehrenamtliche Bürgermeister der Gemeinde Plüschow war. Doch das war nicht ausschlaggebend für die Zuerkennung des Preises. Vielmehr erscheint der Jury des Erhard-Bräunig-Preises der Förderverein zur Erhaltung der Kirche Friedrichshagen e. V. vor allem deshalb preiswürdig, weil dieser Verein im Sinne der Ausschreibung ein Beispiel für bürgerschaftliches Engagement gibt. Es wird die Vorbildwirkung ausgezeichnet.

Unter bürgerschaftlichen Engagement wird das freiwillige, nicht allein auf finanzielle Vorteile gerichtete, das Gemeinwohl fördernde Engagement von Bürgern zur Erreichung gemeinsamer Ziele verstanden. Gemeint ist, seine Geschicke selbst in die Hand zu nehmen und Initiative zu entwickeln.

Erhard-Bräunig-Preis 2016